„Man benötigt Fingerspitzengefühl“
Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Backes
Der Mannheimer Morgen schreibt am 04. August 2012
In loser Folge werden wir Beiträge zum Thema "Denkmalschutz in den Verbreitungsgemeinden der Rhein-Neckar-Ausgabe des 'MM'" veröffentlichen. Den Auftakt macht eine Reportage über die geplante Umnutzung des unter Denkmalschutz stehenden Anwesens Hauptstraße 73 in Edingen.
Selten hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats ein Projekt derart euphorisch begrüßt. Von einem "Juwel" wurde gesprochen und von einer "hervorragenden Lösung". Objekt der Begeisterung war das Anwesen Hauptstraße 73, eine Hofanlage, die zum "Sonnenhof" umgestaltet werden soll.
Nach dem Öffnen des Tors zeigt sich, wie genial diese Fränkischen Hofanlagen konzipiert sind. Obwohl mitten im Ort gelegen, hat man hier mehr Privatheit als in Neubaugebieten. Scheune, Stall und Nebengebäude schirmen den großen Hof effektiv ab. Wenn dann das Tor zur Hauptstraße geschlossen ist, bleibt Alles außen vor.
Diese Hofanlage wird der Seckenheimer Architekt Gerald Eberhard im Auftrag einer Mannheimer Wohnbaugesellschaft nun zu Wohnzwecken umgestalten. Ein Abriss stand glücklicherweise nie zur Debatte, denn das barocke Wohnhaus und das Portal prägen das Bild der Hauptstraße in diesem Bereich. Architekt Eberhard bringt viel Erfahrung in die Verwirklichung dieses sensiblen Projekts ein, denn er hat bereits drei denkmalgeschützte Hofanlagen in Seckenheim umgebaut. "Man benötigt ein gewisses Fingerspitzengefühl, um in denkmalgeschützten Gebäuden neue Wohnstrukturen zu integrieren. Es geht dabei immer um einen Kompromiss zwischen der Erhaltung alter Substanz und den Anforderungen, die das moderne Wohnen hinsichtlich Beleuchtung, Belüftung und Isolierung stellt", erläuterte er im Gespräch mit dem "MM".
So werden nicht nur die Grundrisse der alten Gebäude erhalten, sondern auch viele Details, zum Beispiel die Außenmauern der Scheune aus Sandstein sowie Teile des Gebälks. Am interessantesten ist jedoch der Stall, üblicherweise ja ein völlig unspektakuläres Gebäude. Doch hier handelt es sich um einen Kreuzgewölbestall, vielleicht den einzigen in Nordbaden. In Rheinhessen dagegen finden sich noch Dutzende dieser meist zwischen 1830 und 1880 errichteten, so genannten "Kuhkapellen". Sie spiegeln nicht nur die Bedeutung der Großviehwirtschaft in dieser Zeit wider, sondern auch die Finanzkraft ihrer Besitzer.
Keller mit Tonnengewölbe
Eine weitere Besonderheit: Im Wohnhaus, über dessen Eingang die Jahreszahl 1803 zu lesen ist, haben sich wohl etliche Türen aus der Erbauungszeit erhalten. Unter dem Gebäude liegt ein großer, tonnengewölbter Keller, dessen Erbauungszeit mangels datierbarer Merkmale kaum ermittelt werden kann.
Älter als das Wohnhaus ist zumindest die mit der Jahreszahl 1783 versehene Inschrift über dem Durchgang von der Scheune zum Garten. Dieser wird übrigens nicht überbaut und steht den Bewohnern der sieben Wohneinheiten zur Verfügung. Neu gebaut werden lediglich die Carports anstelle von bereits verschwundenen Schuppen. Über ihnen sind Kellerersatzräume geplant.
Dass es simplere Projekte gibt, räumt Gerald Eberhard freimütig ein: "Es ist natürlich einfacher und günstiger, neu zu bauen." Aber nicht zuletzt wegen der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten würden denkmalgeschützte Gebäude immer mehr als Möglichkeit zur Geldanlage entdeckt.
Nachdem die Gemeinde den Planungen zugestimmt hat, steht nun die Billigung durch den Denkmalschutz an. Und noch in diesem Jahr soll mit der Umgestaltung begonnen werden.
„Kulturdenkmal Sonnenhof“
Das wird ein Juwel werden
Der Mannheimer Morgen schreibt am 23. Juni 2012
Professionalität zahlt sich aus: Weil der Architekt einer Wohnbaugesellschaft für das Bauvorhaben in Edingens Hauptstraße 73 eine Bilderschau vorlegen konnte, sah die CDU-Fraktion im Technischen Ausschuss von ihrem Wunsch nach einem Vor-Ort-Termin ab. Bürgermeister Roland Marsch wäre der Bitte nachgekommen, doch weil nach der raschen Verhandlung anderer Tagesordnungspunkte Zeit blieb, sah man sich die Bilder noch an.
Das bestehende Objekt in Edingens Hauptstraße ist denkmalgeschützt, es handelt sich dabei um eine fränkische Hofanlage mit eingeschossigem Krüppelwalmdach, 1803 am Portal datiert, mit Portalanlage und umgebauten Nebengebäude. Der Bauträger will die vorhandene Gebäudesubstanz erhalten. Sieben Wohnungen sind geplant, ferner im Hof ein zweigeschossiges Nebengebäude, in dem im Erdgeschoss sieben Stellplätze und im Obergeschoss sieben Kellerersatzräume untergebracht werden sollen. Ein Balkon zur Gartenseite hin nimmt in seiner Konstruktion auf den Scheunencharakter Rücksicht.
Ein Einwand gegen das Vorhaben "Kulturdenkmal Sonnenhof Edingen" liegt allerdings vor, den jedoch das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises zu prüfen hat. "Wir hatten einige Angst vor diesem Projekt", sagte Stephan Kraus-Vierling (UBL/FDP/FWV). Das Ensemble mit seinem besonderen Kreuzgewölbe gilt als einmalig für den Ort. Nun sei man erleichtert, denn besser sei der Umbau zu einem Wohnhof aus Laiensicht nicht machbar.
"Hervorragende Lösung"
"Das wird ein Juwel werden", fand Bettina Schroth (SPD). Ulrike Janson (Grüne) nickte: "Das sieht nach einer hervorragenden Lösung aus." Auch die CDU stimmte nach kurzer Beratung dem Bauantrag mitsamt nötigen Befreiungen zu: "Das hat uns gut gefallen", meinte Inge Honsel. Die Vermarktung der großzügig geschnittenen Wohnungen wird die Firma Fröhlich Immobilien aus Mannheim-Seckenheim übernehmen. Marsch bat allerdings darum, Wünsche nach Vor-Ort-Terminen künftig einen Tag vor der Sitzung im Rathaus bekanntzugeben.
Bauanträge zur Errichtung einer Terrasse im Buchenweg und zum Neubau eines Carports in der Paulinenstraße beschied der Ausschuss ebenso positiv wie eine Bauvoranfrage für die Nelkenstraße. Dort sind fürs Dachgeschoss Wohnräume geplant. Dachform und die kristallgrauen Dachpfannen fand der Ausschuss nicht nur vertretbar, sondern geradezu "interessant". ine
„Sonnenhof Edingen“
Barockes Herzgewölbe bleibt erhalten
Die Rhein Neckar Zeitung schreibt am 22. Juni 2012
Edingen-Neckarhausen. (joho) Mit Bauangelegenheiten hat sich der Technische Ausschuss (TA) in seiner Sitzung am Mittwochabend im Bürgersaal des Rathauses beschäftigt. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das Vorhaben der Weka Wohnbaugesellschaft, die Gebäude in der Edinger Hauptstraße 73 zu einem Wohnhof umzubauen.
Dabei soll die Gebäudesubstanz der unter Denkmalschutz stehenden "Fränkischen Hofanlage mit eingeschossigen Krüppelwalmdach" erhalten bleiben. Insgesamt sollen sieben Wohnungen von 99 bis 200 Quadratmetern Fläche und drei bis sechs Zimmern entstehen. Im Hof ist geplant, ein zweigeschossiges Nebengebäude mit Stellplätzen und Kellerersatzräumen zu errichten, wobei die Umrisse der Gebäude im Wesentlichen erhalten bleiben sollen. Der Seitenbau soll hofseitige Einzelgauben erhalten, auf dem Dach sind je zwei Gaubenbänder geplant, um den Charakter der ehemaligen Tabakscheune zu erhalten. Auf der Gartenseite sieht die Planung einen vorgesetzten Balkon vor.
"Da ist offensichtlich ein sehr interessantes Bauvorhaben", befand CDU-Gemeinderätin Inge Honsel. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handele, schlug sie trotz angekündigter 3-D-Präsentation zur Entscheidungsfindung zunächst eine Ortsbegehung vor. Dem wurde seitens der übrigen Ratsfraktionen zugestimmt. Dann allerdings verlief die TA-Sitzung zügiger als gedacht, und es blieb genügend Zeit, sich die Präsentation doch noch anzuschauen. Da die gezeigten Bilder auf allseitiges Wohlwollen stießen, bat Honsel Bürgermeister Roland Marsch zunächst darum, sich mit ihrer Fraktion beraten zu dürfen. Nach dieser kurzen "Auszeit" erklärte die CDU dann ihren Verzicht auf eine Ortsbegehung und stimmte dem Vorhaben zu.
Auf Zustimmung traf der Antrag auch bei den anderen Fraktionen, wobei sich Stephan Kraus-Vierling, UBL- FDP/FWG, erleichtert darüber zeigte, wie gut der Architekt das Bauvorhaben gelöst hat. Vor allem bleibe die Scheune im Bestand erhalten, freute sich Kraus-Vierling, vor allem weil sie im Dach ein äußerst seltenes barockes Herzgewölbe mit drei Jochen aufweise. Dies sei sehr selten im Ort und sonst nur bei Klöstern und Weinkellern bekannt.
Zum Thema Ortsbegehungen regte Bürgermeister Marsch in diesem Zusammenhang an, diese künftig so zu organisieren, dass sie vor den jeweiligen Sitzungen durchgeführt werden können.